Auf die Haltung kommt es an

Was Dich trifft, betrifft Dich!
— aufgeschnappt

Entweder ist der erste Impuls Flucht oder aber Angriff – Wegducken oder „Auge um Auge. Zahn um Zahn“. Beides ist in der Regel auf Dauer nicht bekömmlich und bei schwelenden Konflikten auch nicht zielführend.

Sich selbst statt andere beeinflussen

Da Sie Ihren Gegenüber weder kontrollieren noch wirklich beeinflussen können, verändern Sie die gesamte Situation viel wirksamer, indem Sie eine andere Haltung einnehmen. Das mag jetzt abgedroschen klingen, ist allerdings unfassbar wirkungsvoll! Denn so steuern Sie nicht nur die Energie, mit der Sie dem Problem begegnen.

Die gesamte Problemsituation gerät unwillkürlich ins Wanken, weil Sie ein stabiles System „stören“. Dadurch sparen Sie viele Nerven und werden wieder handlungsfähig. Denn Sie bestimmen mit welcher inneren Einstellung Sie dem Problem begegnen. Das tut Ihrer Selbstbestimmung gut.

"Tit for Tat"

Im ILP heißt eine der wirksamsten Interventionen „Tit for Tat“. Also sinngemäß „Wie Du mir, so ich Dir“ – allerdings in einem positiven Sinne. Nämlich, indem Sie eine der Situation angemessene Haltungsantwort und daraus eine enorme Stärke entwickeln.

Dafür hat zunächst Steve de Shazer, der Vater der lösungsorientierten Kurzzeittherapie, eine richtungsweisende Idee gehabt. Er sprach als Erster von „Tit for Tat“. Dietmar Friedmann hat es dann aufgegriffen und weiterentwickelt. Ähnlich wie bei einem homöopathischen Mittel können Sie für sich die positiven Aspekte einer an sich negativen Verhaltensweise nutzen.

Ein Beispiel

Eine Klientin hatte große Angst vor einem Beförderungsgespräch mit ihrem Vorgesetzten. Sie befürchtete, dass sie rot wird, unsicher und leise spricht, stammelt und vor allem nicht die richtigen Worte findet.

Im Coaching listete sie auf, was die bevorstehende Situation mit ihr macht. Ich fragte sie: Wie sich die Situation ihr gegenüber „verhält“?

Meine Klientin sagte:

  • Die Situation verunsichert mich.
  • Die Situation macht mich klein.
  • Die Situation regt mich auf.
  • Die Situation macht mir Angst.
  • Die Situation macht mich lächerlich.

Im nächsten Schritt ermittelten wir dann gemeinsam die positive ähnliche Haltungsantwort für die belastenden Folgen. Dafür abstrahiere ich von der benannten Situation und befasse mich nur noch mit den Begriffen an sich. Und mit der Klientin arbeitete ich dann an der Übersetzung.

  • Verunsichern: Ich verunsichere jemanden im positiv ähnlichen Sinne (z. B. im Sport)? Übersetzung: Meine Klientin meinte, dass für sie „Ich schütze vor Übermut“ passt.
  • Klein machen: Ich mache jemanden klein im positiv ähnlichen Sinne (z. B. im Sport)? Übersetzung: Ich führe jemanden an.
  • Aufregen: Ich rege jemanden auf im positiv ähnlichen Sinne (z. B. im Sport)? Übersetzung: Ich sporne jemanden an.
  • Angst machen: Ich mache jemandem Angst im positiv ähnlichen Sinne (z. B. im Sport)? Übersetzung: Ich zeige Risiken auf.
  • Lächerlich machen: Ich mache jemanden lächerlich im positiv ähnlichen Sinne (z. B. im Sport)? Übersetzung: Ich gehe mit Humor vor.

Wie Sie sehen sind die positiv ähnlichen Übersetzungen sehr individuell. Vielleicht hätten Sie für sich in einer ähnlichen Übersetzungsübung ganz andere Varianten gewählt.

Im Coaching werden deshalb die Begriffe immer im Zusammenspiel von Coach und Coachee entwickelt.

Dann folgt der entscheidende Schritt in Richtung Lösung: Ich frage meine Klientin, in welcher Situation Sie all die von ihr gefundenen Übersetzungen schon mal positiv für sich und für andere erlebt hat und in der es ihr dabei richtig gut ging. Also: In welcher Situation war all das für sie schon mal da?

  • Ich schütze vor Übermut.
  • Ich führe jemanden an.
  • Ich sporne jemanden an.
  • Ich zeige Risiken auf.
  • Ich gehe mit Humor vor.

Sofort hatte sie eine Situation vor Augen und konnte sich in diese auch ganz schnell wieder hineinfühlen. Dann forderte ich sie auf, sich mit der Haltung vertraut zu machen und im Geiste dem kommenden Beförderungsgespräch mit dieser Haltung zu begegnen. Das tat ihr schon richtig gut!

Das Lampenfieber bleibt, aber die Haltung ändert sich

Nachdem wir das Ganze stabilisiert hatten, konnte sie viel zuversichtlicher in das Gespräch gehen. Natürlich war sie nervös und hatte Lampenfieber vor der Begegnung mit ihrem Vorgesetzten. Dennoch wirkte sich ihre neue Haltung positiv aus: Sie fühlte sich viel souveräner und das Gespräch bekam eine vollkommen andere Dynamik. Der Chef war nicht der erwartete Tyrann. Meine Klientin stand ihre Frau und erreichte gleich zwei Dinge: die Beförderung und eine positive Referenzerfahrung.

Der entscheidende Schritt ist es, bei all dem Negativen in einer Problemsituation eine neue, wohltuende und ressourcenorientierte Haltung einzunehmen. So greifen Sie auf der Energieebene in das Geschehen ein, ohne ein Wort oder einer Geste.

Es ist wie mit einem Kinder-Mobile: Ziehen Sie an einem Ende des Mobiles, gerät es in Bewegung, verändert sich und stabilisiert sich auf andere – bekömmlichere – Weise neu.

„Tit for Tat“ ist definitiv einer meiner liebsten Interventionen! Neugierig geworden? Dann zögern Sie nicht und vereinbaren Sie einen unverbindlichen persönlichen Kennenlernen-Termin.