Fehllandung in der Führungsposition?

Ein Problem zu lösen heißt, sich vom Problem zu lösen.
— Johann Wolfgang von Goethe

Um nur einige Veränderungen zu nennen: Sie sind plötzlich der Kummerkasten für ehemalige Kollegen und der Prellbock für die Ebenen unter und über Ihnen, Sie müssen sich um unzählige administrative Tätigkeiten kümmern und lange Arbeitszeiten gehören dazu. Die Rolle der Führungskraft liegt nicht jedem und bringt längst nicht jedem die erhoffte Erfüllung.

Es braucht eine Menge Ehrlichkeit und Mut sich einzugestehen, wenn Führung für einen selbst nichts ist. 

Machen Sie sich folgendes bewußt:

  • Anerkennung: Sie sind offensichtlich fachlich gut und erfolgreich sowie zuverlässig. Leitungspositionen werden Ihnen anvertraut. Der Aufstieg ist ein Privileg, den Sie sich verdient haben.
  • Jeder Mensch hat seine individuellen Stärken und Fähigkeiten. Wenn die Leitung für Sie nicht dazugehört, ist das in Ordnung. Klären Sie für sich, ob Ihnen wichtiges Handwerkszeug fehlt, das die Situation maßgeblich verändern würde. Oder passt die Führungsposition grundsätzlich nicht zu Ihrem Leben, Stichwort „Work-Life-Balance“? Seien Sie ehrlich mit sich, es ändert nichts an Ihren Ressourcen.
  • Probezeiten gibt es aus einem guten Grund. Der gilt auch für Sie. Auf Dauer hilft das Zähnezusammenbeißen nicht viel. Das Stresslevel, das Ihre Unzufriedenheit unter der Oberfläche erzeugt, lässt sich langfristig nicht mit unehrlichen inneren Beschwichtigungen und dem Mehr an Lohn in den Griff bekommen.
  • Mal angenommen, selbst unangenehme Situationen haben eine sinnvolle, eine gute Seite: Was könnte für Sie das „Gute“ an Ihrer Situation sein?

Wie weiter?
Die Frage ist, wie die Kuh vom Eis zu bekommen ist, wenn Ihnen klar werden sollte, dass administrative Leitung und/oder Mitarbeiterführung nichts für Sie ist. Auch wenn es unangenehm ist, halten Sie Ihrem Arbeitgeber gegenüber nicht zu lange hinter dem Berg. Sprechen Sie mit Ihrem Vorgesetzten oder dem Firmenchef. 

Bereiten Sie ein solches Gespräch unbedingt vor. Wenn Sie mögen, probieren Sie es doch mal mit ein paar Notizen. Schreiben verlangsamt die Gedanken und macht flüchtige Eingebungen konkret. Das wiederum hilft zu reflektieren.

Gute Vorbereitung ist wichtig
Für Ihre Gesprächsvorbereitung sollten Sie sich die folgenden Fragen beantworten: 

  • Wie stellt sich Ihre Situation konkret dar? 
  • Was möchten Sie verändern? (Konsequenzen bedenken)
  • Welche konkreten Vorschläge haben Sie? Was können Sie anbieten, damit auch Ihr Arbeitgeber mitgehen kann? 

Hier ein paar Tipps für ein konstruktives Gespräch:

  • Bitten Sie um ein gesondertes Personalgespräch mit Terminvereinbarung
  • Seien Sie offen und vermeiden Sie es, von Überforderung oder Fehlern zu sprechen.
  • Sprechen Sie vielmehr über Ihre Wünsche nach operativer (statt administrativer) Arbeit, über Work-Life-Balance, über die Rolle als Teamplayer (statt als Mannschafts-Boss). Reden Sie so konkret wie möglich über das, was Ihnen wichtig ist.
  • Machen Sie Vorschläge, denn eine Herabstufung nach der Beförderung kann eine heikle Angelegenheit unter Kollegen, aber auch für Ihren Vorgesetzten, sein. 

Nach dem Gespräch
Beispielsweise könnte es Sinn machen, sich auf eine Teamposition in einer anderen Abteilung zu bewerben, statt sich auf wieder den alten Job herabstufen zu lassen. Alternativ steht Ihnen auch die Bewerbung bei einem anderen Unternehmen frei, und zwar auf einer Ebene, die Ihnen behagt.

Es ist nicht nur meine Erfahrung aus der Personalauswahl: Berufliche Biografien kennen längst nicht mehr nur die eine Richtung, nämlich den geraden Weg nach oben. Das Gegenteil ist sogar der Fall: Ein Lebenslauf ohne Seitenschritte oder einen Laufbahnwechsel ist heute die Ausnahme.

Eine gewisse Zeit in einer Leitungsposition kann bei einer Bewerbung sogar von Vorteil sein, solange dies glaubhaft begründet wird. Mitunter gehört heute auch ein Wechsel aus einem Konzern in einen mittelständischen Betrieb zur Normalität, selbst wenn damit Geldeinbußen verbunden sind. Immer mehr Menschen sehen ihre Karriereschritte im Kontext Ihres gesamten Daseins. 

Also Hand aufs Herz
enn Sie sich partout nicht mit Ihrer Führungsposition identifizieren können, überlegen Sie, ob ein „Downgrade“ im Job vielleicht ein nachhaltiger „Upgrade“ in Ihrem Leben sein könnte.