Wege aus der Stress Falle

Die amerikanische Gesundheitspsychologin Kelly McGonigal hat es auf den Punkt gebracht: Wenn etwas stresst, ist das vor allem „ein Zeichen dafür, dass einem eine Sache so wichtig ist, dass man möchte, dass sie gelingt“. 

Ich finde diesen Ansatz spannend, vor allem die Annahme, die sich dahinter verbirgt - nämlich, dass im Grunde genommen positive Absichten selbst in belastenden Stresssituationen stecken.  

Orangener Kasten Rauchabzug Stress

Praktisch jeder von uns leidet irgendwann in seinem Leben unter Stress. Überforderung, Lebenskrisen und Druck gehören zum Dasein, wie auch das Glück und die Entspannung. Allerdings frage ich mich, worin die positive Absicht von Getriebensein, von Dauermultitasking und Zeitverdichtung sein soll? Darauf gibt es nicht DIE Antwort für jeden – wohl aber eine simple (allerdings nicht einfache!) Frage. Und es lohnt sich sie zu stellen: „Was ist das Gute im Schlechten?“  

Auslöser von Stress 

Das, was stresst, empfindet jeder anders. Nora leidet eher unter Beziehungsstress, wenn es in der Partnerschaft, unter Kollegen oder in der Familie nicht rundläuft. Andreas bekommt zu viel Stress, wenn er findet, dass andere ihn bevormunden, „klugscheißen“, ihn gängeln. Susanne kann nicht zusehen, wie ihre Kolleginnen arbeiten. Sie kümmert sich also auch um deren Aufgaben. Während ich persönlich beispielsweise in Stress gerate, wenn ich so viele Meetings und Gespräche habe, dass ich meine operativen Ziele nicht schaffe. 

Klassische Symptome, falsche Reaktion 

Das Gefühl einem fahrenden Zug hinterher laufen zu müssen, löst die klassischen Symptome von Stress aus: Die Systeme werden hochgefahren. Noradrenalin, Adrenalin und das Stresshormon Cortisol schlagen an. In der Folge kommen Appetitstörungen oder Heißhunger, unruhige Nächte, Konzentrationsprobleme, Verspannungen im Rücken und Nacken, Grübeleien.  

Häufig setzen wir mit untauglichen Bewältigungsstrategien an. Wir essen zu viel, trinken übermäßig, werden (psychosomatisch) krank oder haben Unfälle. Im Extremfall und als Dauerzustand kann das bis zum Burn-out mit Symptomen der Depression führen. 

Die positiven Seiten von Stress 

Aber zurück zur Ausgangsthese: „Auch im Stress liegt eine positive Absicht.“ Was könnte das Gute im Schlechten sein?  

Wenn wir es schaffen, uns eine „stresspositive“ Perspektive gerade für den Eifer des Gefechts anzueignen, können wir infolgedessen die eigene Haltung ändern. Denn allein das reduziert unser Stresslevel und es gelingt uns, die Herausforderungen des Alltags gelassener anzupacken und gegebenenfalls Veränderungen herbeizuführen. Immer mehr Forscher interessieren sich mittlerweile für die positiven Seiten des Phänomens „Stress“ und untersuchen, wie man sich den Stress-Hormoncocktail sogar zunutze machen kann. 

Stress allein macht nicht krank 

30.000 Teilnehmer haben in den USA bei einer Gesundheitsumfrage mitgemacht. Die Probanden wurden unter anderem gefragt, ob sie glauben, dass Stress ihrer Gesundheit schadet. Nach acht Jahren sahen sich Wissenschaftler die Sterbestatistiken an. Sie stellten fest, dass diejenigen mit einem hohen Stresspegel ein um 43 % höheres Sterberisiko hatten – allerdings nur diejenigen, die in der Befragung Stress als schädlich eingestuft hatten. Daraus folgert McGonigal, dass nicht der Stress alleine, sondern seine Bewertung krankmacht und schadet.  

Also sehen wir uns doch mal an, welche Wege es gibt, um besser (gesünder!) mit Stress umzugehen: 

  1. Gestehen Sie sich ein, dass Sie gestresst sind. Dass Ihr Körper Ihnen signalisiert: „Halt! Stopp! Die Situation ist mir wichtig. Da ist Druck im Kessel und das ist belastend.“ Das erfordert Mut, denn hier spielen negative Gefühle eine wichtige Rolle. Diesen müssen wir uns stellen. 

  2. Suchen Sie eine innere Distanz zu Stresssituationen, in dem Sie auch Ihre Bewertung der Situation hinterfragen. Welche positiven Aspekte gibt es? Manchmal hilft es, sich in die Zukunft zu denken. Und sich aus der Zukunftsperspektive, in der die Stresssituation gelöst ist, zu fragen: „Was hat mir das (damals) Gutes gebracht?“ 

  3. Besinnen Sie sich auf Ihre Werte. Wenn Sie sich klarmachen, was für Sie wesentlich und wichtig im Leben ist, dann folgen daraus Ihre persönlichen Ziele. Nehmen Sie sich diese vor und formulieren Sie Zwischenziele. Bestimmen Sie selbst, welche Schritte Sie nach und nach angehen wollen. Damit nehmen Sie das Zepter wieder in die eigenen Hände und haben bessere Chancen die positiven Energien, die im Stress stecken, für sich zu nutzen. Im Hinblick auf die Arbeitswelt, die als Stressfaktor Nr.1 gilt, kann das unter Umständen bedeuten, dass Sie sich vielleicht eine neue Stelle suchen sollten. 

  4. Nutzen Sie in Bewegung. Stresssituationen lassen sich leichter angehen, wenn die Spannung auch körperlich austariert werden kann. Gehen Sie spazieren oder joggen. Machen Sie Yoga oder Kickboxen. Egal. Hauptsache es macht Ihnen Freude. Gehen Sie tanzen oder zum Singen. Sportwissenschaftler sagen: „Bewegen sollen Sie sich jeden Tag. Und wenn Sie gestresst sind, dann müssen Sie es sogar.“ 

  5. Lernen Sie „nein“ zu sagen. Das Wort „nein“ ist im Stress Ihr Verbündeter. Widerstehen Sie der Neigung „Everybody´s Darling“ sein zu wollen. Achten Sie auf Ihre Prioritäten. 

  6. Suchen Sie sich kleine Mutmacher. Ich nutze dafür gerne den sogenannten Hosentaschencoach. Nehmen sich einen kleinen Zettel und notieren Sie, was für Sie wirklich wichtig und wertvoll ist. Falten Sie den Zettel zusammen und stecken Sie ihn in Ihre Hosen-/Rocktasche. Kopf hoch, Schultern runter und weiter geht´s. 

An Herausforderungen wachsen 

Es gibt Wege aus der Stressfalle. Seien Sie geduldig mit sich. Suchen Sie sich Hilfe bei der Bewältigung belastender Lebensphasen oder Lebenskrisen und vor allem bei Traumata. Bieten Sie dem Stress die Stirn, indem Sie es ernst nehmen, wenn es Ihnen einfach nicht gut geht. Alkohol, Essensrausch oder Ignoranz helfen nicht weiter.  

McGonigal meint: „Eine sinnhaftes Leben ist einfach ein stressiges Leben, geprägt durch Herausforderungen, an denen ich wachsen und meine Werte leben kann.“ (Spiegel Wissen, 08.2018, S. 60- 63) Ist das eine Sichtweise, die Sie teilen? 

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