Gedanken zum 9. November

Über den Einfluss der Gedanken auf das Wohlbefinden und darüber, dass wir alle daran arbeiten können. Aber heute ist der 9. November und der steht nicht nur für den Mauerfall 1989, sondern (u. a.) für die Reichspogromnacht vor 80 Jahren und für den Horror des Holocaust.

Foto: pixabay.com

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Ganz schön zynisch klang das Thema plötzlich in meinen Ohren. „Darf“ ich vor diesem Hintergrund über die psychologische Macht der Bewertung von Ereignissen schreiben, Resilienz hin, Salutogenese her? So nimmt mein Text eine persönliche Wendung und entwickelt sich in eine ganz andere Richtung.

Schwierige Zeiten - mal wieder

Vor dem Hintergrund eines immer häufiger zu hörenden „das darf man doch wohl mal sagen“-Antisemitismus, will ich heute ein paar persönlichere Worte schreiben. „These are troubeling times.“, hat Hillary Clinton kürzlich gesagt, nachdem Briefbomben an Trump-Kritiker verschickt wurden. Das war unmittelbar bevor ein Mann in der Synagoge von Pittsburgh elf Leute erschoss, weil sie ihren jüdischen Glauben praktizierten. 

Ja, es sind wirklich beängstigende Zeiten, die uns alle aufhorchen lassen sollten. Und zwar auf der ganzen Welt. Am besten wir fangen vor der eigenen Haustür an.

Woher kommt die dumpfe Verrohung? Die Verelendung des Gewissens, nicht nur in den sozialen Medien, sondern auch tagtäglich auf offener Straße. Haarsträubende Begegnungen gehören zum Alltag. 

Anonymität macht “stark”

Im Mäntelchen der Anonymität verhalten sich Autofahrer und Fahrradfahrer ebenso wie rempelnde, pöbelnde Fußgänger vollkommen losgelöst und unzivilisiert. Hass und Unzufriedenheit suchen sich ihre Ventile in Zeiten von Frieden, Prosperität und Gesundheitsversorgung. Unverblümt und angeblich mutig, ehrlich und authentisch wächst der Antisemitismus, die Fremdenfeindlichkeit und der Sozialneid. 

Haben wir die Bedeutung des Kategorischen Imperativ von Immanuel Kant vergessen? Ich meine, es braucht Bildung und noch mal Bildung. Und zwar nicht nur in akademischer Hinsicht – die AfD hat z. B. etliche akademisch gebildete Leute in ihren Reihen – sondern vor allem auch im zwischenmenschlichen Bereich: Es braucht auch Herzensbildung! 

Was es braucht

Wir sollten die eigenen Fähigkeiten zum kritischen Nachdenken und Nachspüren hinterfragen und das informierte, unabhängige Denken trainieren.  Wo bleiben denn die viel beschworenen gesellschaftlichen Werte? Wollen wir solch ein Miteinander? Brauchen wir nicht mehr mutige und ehrliche Zivilcourage? Auch im ganz Kleinen, also bei der eigenen Nasenspitze.

Mitmenschlichkeit, Einfühlungsvermögen und ein grundlegender Wertekanon sind die Basis für eine überfällige Herzensbildung. Die Gesellschaft ist gefragt: die Schulen, Journalisten, Politiker, Unternehmen, Eltern, Coachs – sprich: wir alle. 

Aber wo anfangen?

Wie immer, am besten bei uns selbst! Fragen wir uns doch einfach mal: Wo komme ich mit vorschnellen Vorurteilen daher? Wo behandele ich Menschen nicht so, wie ich selbst gerne behandelt werden würde? Wo bin ich arrogant statt mutig, beleidigend statt ehrlich, egozentrisch statt authentisch? Mal eben reflektieren. Und mutig, ehrlich und authentisch antworten. 

Und? Autsch. Sehen Sie, das kann quietschen in der Seele. Aber auch das gehört zur Herzensbildung.

Ich gebe Ihnen gern ein persönliches und ehrliches Feedback in einem kostenlosen Kennenlerntermin.