Selbstgespräche: Selbstcoachingtool oder Marotte?

Man führt nicht mehr genug Selbstgespräche heutzutage. Man hat wohl Angst, sich selbst die Meinung zu sagen.
— Jean Giraudoux

Schon die alten Denker und Dichter nutzten Bewegung, um ihren Gedanken freien kreativ-konstruktiven Lauf zu lassen. Sie hatten ihren Stift und Papier dabei, um die Eingebungen und den inneren Diskurs festzuhalten. Konkretisierung durch das Schreiben.

Damit Gedanken nicht auf- und wieder abtauchen
Konkretisierung durch das gesprochene Wort funktioniert genauso. Und ist genauso wirksam. Denn laut ausgesprochen sind Gedanken anschaulicher und „realer“, als wenn sie lediglich auf- und wieder abtauchen.

Mithilfe der eigenen Stimme werden sie zudem nachhaltiger im Kopf verarbeitet – und abgespeichert. Deshalb geht es im beratenen und therapeutischen Setting auch um die Verbalisierung von Wünschen und Bedürfnissen. Das Selbstgespräch ist in diesem Sinne wie ein Brainstorming mit sich selbst und entfaltet selbsttherapeutische Effekte.  

Probegespräche für den Ernstfall
Das gesprochene Wort mit Handy aufzuzeichnen heißt also unzensiert und ohne Rücksicht auf andere festzuhalten, was gerade durch den eigenen Kopf geht. Eine effektive Methode, um sich beispielsweise auf anstehende Gespräche vorzubereiten. Denn da, wo Dinge längst gären aber noch nicht ausgesprochen sind, geben (selbst-)gesprochene Auftaktsätze und geübte Ich-Botschaften ein wohltuendes Maß an Sicherheit und Orientierung.

Natürlich gilt das auch für die Suche nach Argumenten in geschäftlichen Diskussionen, beim Verkaufspitch, dem Gespräch zur Gehaltserhöhung. Konfliktgespräche mit Kollegen können effektiv und zeitschonend vorbereitet werden.

Sich selbst unterstützen
Selbstgespräche sind übrigens im privaten Bereiche längst Normalität. Die meisten sprechen leise mit sich unter der Dusche oder beim Tüfteln. Also: Was läuft gut? Was möchte ich verändern? Was sind die großen und kleinen Ziele? Den Alltag zu betrachten und zu reflektieren läuft gedanklich in Endlosschleife automatisch. Hier können laute Selbstgespräche eine hervorragende Quelle für konkrete Unterstützung durch sich selbst sein. Und beim Abhören machen sich vielleicht die kleinen eingeschliffenen Denkmuster und Glaubenssätze bemerkbar.  

Sprechen, hören, bemerken
Das Brainstorming mit sich selbst kann Wunder wirken. Und ist auch gar nicht peinlich, wenn man mit dem Handy sprechend in der Gegend herumläuft.